Vorab: was sich zu wissen lohnt

Hallo und willkommen zu meinem kleinen Fahrtenbericht von unserem Schweden-Törn. Unsere Route: mit Epilog in Stockholm.

Buchen&chartern kann man entweder bei einem deutschen Makler oder natürlich bei den Vercharterern selbst. Sarres-Schockemöhle-Yachting hat z.B. midnightsunsailing in Akersberga und über Navigare mit sailsweden in Lidingö Gashaga im Programm. Von Sailmarine in Saltsjö-Duvnäs war ich nicht begeistert... Ebenfalls in Lidingö sitzt Boatcharterstockholm. Gute Erfahrungen haben wir mit den Maklern 1a-yachtcharter und scansail gemacht.

Vorab: Es lohnt sich wie immer, ein ADAC-Mitglied vorab in eine Niederlassung zu schicken, und das kostenlose Faltblatt Regionalführer Stockholm / Mittelschweden zu besorgen, da bekommt man kurzgefasst einen Überblick über die Region, sowie einen guten Tagesführer Stockholm. Dort auch eine Schweden-Strassenkarte für die Grobplanung besorgen, das hilft.

Ganz besonders in diesem Revier lohnt sich eine Kautionsschaden- und eine Charterfolgeausfallversicherung, eine Skipperhaftpflicht sowieso.

Auch Urtes Hinweise waren uns ein wertvoller Schatz, der Törnführer Schweden gehört aufs Boot, der leider nur in Englisch erhältliche Hafenguide Arholma - Landsort and Gotland (mindestens 3. Auflage, sonst z.B. in Stockholm im Laden von Nautiska.se in der Altstadt besorgen) ist eine prima Ergänzung. Die Seekarten waren vom Vorjahr, die für die Alands 6 Jahre alt, die Plotterkarte zeigte einige Abweichungen zu Realität und Seekarte.

Ebenso lohnt insbesondere für einen Stockholmbesuch ein Guck nach wikitravel.org und wikivoyage.org (ausdrucken oder auf dem Laptop abspeichern), für den Grobüberblick vor Ort openseamap.org (insbesondere der Törnplaner für die Meilenermittlung) und wie immer maps.google.de. Schliesslich hat die Wassersportabteilung des ADAC für Skandinavientörns einen kostenlosen Revierführer zusammen gestellt. Danach braucht man übrigens in schwedischen Gewässern keine Bootsführerscheine oder Eignungsnachweise.

Zum allgemeinen Erfahrungsschatz zählt, daß man seinen PKW am besten am Düsseldorfer Flughafen ins Parkhaus 4 in die zweite Ebene stellt, weil dort der Umstieg in den Skytrain zum Terminal am einfachsten ist, Stellplatznummer aufschreiben, vorab online buchen und mit Kreditkarte bezahlen (14 Tage = 102 Euro), dann ist der Platz sicher.

Frühflug mit der Lufthansatochter Eurowings 6:50h nach Arlanda (DUS > ARN), das liegt einige km nördlich der schwedischen Hauptstadt. Am Abend vorher Bordkarte online ausdrucken. Maximal 23kg pro Gepäckstück, eines ist frei, Handgepäck wurde nicht extra vermessen, aber 8kg sind erlaubt. Wie so oft weiß die Dame an der Gepäckaufgabe nichts mit dem Hinweis anzufangen, dass im Gepäck eine Rettungsweste samt ausgedrehter CO2-Patrone liegt. Erst geht's angeblich gar nicht, dann hektisches Rumtelefonieren, 10min später (Stichwort: "Gaskartuschen, klein, mit nicht entzündbarem Gas...") gings dann doch. Dreht Eure Patrone aus der Weste und legt sie mit der Ersatzpatrone zusammen mit diesem Ausdruck in einen Plastikbeutel am besten in den Koffer (übrigens auch Navizirkel). Sicherheitshalber ein Ausdruck ins Handgepäck zum Vorzeigen, vorher bei der Fluggesellschaft anmelden, siehe auch Lufthansa, Äir Bärlin, Secumar.

An Bord hat der Vercharterer Rettungswesten, aber man weiß ja nie. Mein Rückflug ging mit Germanwings um 15:20h von Arlanda Terminal 2 nach Köln, Einchecken 72 Stunden vorher, 1 Gepäckstück bereits mit dem Flugticket bestellen, ist nicht inclusive und online bestellt halb so teuer wie am Flughafen.

Auf den Koffer nur Namen und Händinummer schreiben, nie die komplette Adresse, die gehört in den Koffer wo man sie beim Öffnen auch nicht sofort entdeckt. Dorthin gehört auch eine Kopie der Papiere falls man mal im Bus beklaut wird (hilft bei der Beschaffung von Ersatz). Schlüssel, Geld, Buchungsunterlagen haben wir ebenso im Handgepäck wie zwei Satz Unterwäsche, falls das Gepäck einen anderen als den direkten Weg nehmen will (hatten wir unlängst, keine Freude).

Alkohol ist bekanntermaßen in Schweden wegen hoher Steuern teuer. Also decke man sich im duty-free-Shop am Abflugflughafen entsprechend ein, es gibt keine Begrenzung der Menge solange der Alkohol glaubhaft für den persönlichen Gebrauch ist und die einführende Person mindestens 20 Jahre alt ist. Eine Stichprobe mit einem bekannten Singe-malt-Whiskey ergab, dass der Preis im Duty-Free-Shop in Köln und Stockholm dem Strassenverkaufspreis in Deutschland entsprach, in Schweden selbst bezahlt man das Doppelte im Spezialshop für Alkoholika "Systembolaget". Wichtig: Bis zum Verlassen des Ankunftsflughafens muß die Flasche "am Mann" geführt werden, bei einer Kontrolle darf also nicht eine Person die Flaschen für andere (etwa im Rucksack) tragen, im Ernstfall gelten überzählige Flaschen als Schmuggelware. Gültiger Personalausweis reicht.

Geldumtausch ist in allen Ländern teuer, auf dem Flughafen in Stockholm hätten wir für 1 € 7,97 schwedische Kronen bekommen. Auf Kreditkarte bekommt man bei Ausgabe des täglichen Maximalbetrags von 2000skr einen Kurs von 7,87skr, auf EC-Karte 8,01skr. Beim Einkauf mit Karte entfällt die Auslandsgebühr von 6 € pro Barauszahlung, sodaß wir mit der Kreditkarte einen Kurs von 8,07skr bekamen und mit der EC-Karte sogar 8,20skr. Das führt dazu, daß die Schweden überall mit Karte auch kleine Summen bezahlen und für uns ist es mit der EC-Karte am Günstigsten.

In den Schären gibts kaum Automaten, d.h. man decke sich am Flughafen entsprechend ein. Allerdings muß noch genug Limit auf der KK sein, damit man beim Vercharterer die Kaution abdecken kann. Jeder Reiseteilnehmer nehme also Scheckkarte und KK mit.

Eine knappe Stunde braucht die schwedische Staatseisenbahn mit Umstieg in Knivsta Station für 129skr bei frühzeitiger Buchung bis in die Stadt, der Nahverkehr bringt uns mit Umstieg in Marstä für schottische 72skr. (3-Zonenticket) ggf. auch bis Saltsjöbaden!
Am einfachsten kommt man mit dem Arlanda Express direkt in die Stadt, genauer zum Centralen Bahnhof, überall stehen Fahrkartenautomaten, 260skr, Fahrtzeit 20min. Der Direktbus, der ungefähr eine Dreiviertelstunde braucht, kostet nur 99skr und startet in der Hauptverkehrszeit alle 10-15 Minuten, Ticketterminals überall, Schalter in Terminal 4. In der Stadt selber bewegt man sich am besten mit einem 24h-Ticket des ÖPNV, das spart wunde Füße, und WOW: es gibt ein deutsches Infoblatt!

Unser Vercharterer hat seine Basis in Saltsjö-Duvnäs, das ist ein paar km südlich der Hauptstadt und die Morningside-Marina liegt etwa 1000m vom Bahnhof (die Strasse dazwischen hat leider keinen Fußweg...). Bequem, schnell und bei 3 Personen mit Gepäck auch günstig ist der vom Vercharterer organisierte Taxitransport zum Festpreis von 687skr (etwa 85 Euro). Übrigens: Decken, Bettbezüge, Bade- und Abtrockentücher, sowie ein ordentliches Fernglas waren bei uns an Bord, muß man also nicht mitbringen.

SMS zu verschicken ist mittlerweile unwesentlich teurer als von Deutschland aus, angerufen werden kostet rund 10ct, abgehende Gespräche 40ct. Simyo bietet ein Paket fürs Surfen (5 Euro, 50MB in 7 Tagen) und eins fürs Telefonieren (5 Euro, 7 Tage, 50min), für diese Zwecke hab ich ein altes Händi samt Netzteil im Gepäck. In vielen Häfen hatten wir kostenloses Internet (Wifi), im Nacka-Forum im Phone-House bekam ich für 50skr (ca. 6 Euro) einen Stick (!) mit SIM-card von 3Hutchinson und 1 Woche freiem Internet, hat sich sehr bewährt, hätte ich gleich 2 kaufen sollen...

Lokales Wetter haben wir uns bei windguru besorgt, das war recht zuverlässig, der Skipper bevorzugt klart.se, Einheimische holen sich die detaillierte Vorhersage nebenan von den Norwegern yr.no. Der Reiseführer empfiehlt smhi.se/vadret und in Finnland fmi.fi.
(Für Schweden-Freaks: wo holt Ihr Euer Wetter her??)

schön, nicht?
Für die meteologisch tiefergehend Interessierten haben sich die Karten und Prognosen der NOAA bewährt, die ich mir mit Zygrib oder ugrib.us direkt, mit saildocs per email oder aus Norwegen als Grib-Dateien (reine Wetterdaten und -prognosen, die etwa mit Zygrib oder Ugrib auf Landkarten projeziert werden, Vorteil: wenig Datenverkehr) hole. Einen guten (aber umfangreichen) Satellitenfilm gibt's ebenfalls von yr.no.

Im Notfall erreicht man den Seenotleitung MRCC wie gewohnt auf Kanal 16 oder 70, der allgemeine Händy-Notruf ist wie in Deutschland unter 112 zu erreichen, eine Karte mit den Kanälen der Küstenfunkstellen zwischen Borkum, Norwegen und St. Petersburg gibt's bei stockholmradio.se. Wer nicht des Englischen allzu mächtig ist, kann die deutsche DGzRS einschalten, die übernehmen dann die Koordinierung, dort bekommt man auch eine notärztliche Beratung, Telefonnummer unbedingt ins Händi einprogrammieren: 0049/421/536870 !!

Was wir zuhause vergessen haben:

  • eine kleine deutsche (und eine Norderney-)Flagge. So führen wir lediglich die Schwedische Nationale und werden daher auch immer auf schwedisch angesprochen.
  • Ein paar CDs mit MP3, denn das Radio kann die abspielen, je Musikrichtung eine CD, denn das Radio spielt die Titel einen nach dem anderen.
  • So einen praktischen "Tennisschläger", bei dem es knistert wenn man eine Mücke ganz volley nimmt. Ob lange Pyjamas den Mücken weniger Angriffsfläche bieten würden, bleibt umstritten. Neuerdings sind in Skandinavien die Flauschoveralls von OnePiece "in", aber ob die "stichdicht" sind, ist ebenfalls unklar. Anti-Mückennetze für das Bugkabinenfenster und den Niedergang waren vorhanden.

    Was wir hätten kaufen sollen:

  • Es gibt keinen Wasserkessel, man macht Kaffeewasser im Topf heiß. Also beim nächsten mal: ein einfacher Wasserkocher.
  • Bleistift und Radiergummi fehlten.
  • Briefmarken für Postkarten (12skr) nach hause, denn außerhalb der Hauptstadt gibt's nix ab Mitte August (Deutschland heisst "Tyskland"), alles zu.
  • Frühstyxtüten aus Plastik fürs Bordklo (Eingeweihte wissen warum).

    Was wir gekauft bzw. mitgebracht haben:

  • Drei Frischhaltedosen für Butter, Zucker, Aufschnitt, sehr sinnig.
  • Ein paar Bändsel z.B. zum Abbinden der nervigen Badeleiter, des Spifalls, Befestigen des Heckfenders, Aufhängen des Stromkabels.
  • Toilettenpapier, denn in den Häfen gibt's nur das einlagige auf den großen Rollen.


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