Eine kleine Jollenfahrt

Zählt der Mensch zu den Bequemen,
muß er große Schiffe nehmen,
worin er sänftiglich kann ruhen
in den weißbezognen Truhen,
die der Seemann Kojen nennt
und worin sich's fürstlich pennt!
Wo in des Salons Gemächern
er sich kühlen kann mit Fächern.
Wo aus eines Eisschranks Spalte
eine Pulle lugt, ne Kalte!
Wo im Vorschiff an dem Herde
schwitzend spricht der Koch: 'Es werde!'
Und dem Herren seiner Wahl
brät ein wahres Göttermahl.

Aber ist's dem Erdensohne
gleich, ob unter Deck er wohne,
ob ihn Nachts der Tau befeuchte
und der Mond zum Mahl ihm leuchte,
statt, daß die Kardansche Lampe
strahlet von der Skylight-Rampe,
daß, wenn er zur Ruh sich strecket
ihn ein Regenguß erwecket
und der Bodenbretter Fasern
ihm den Rücken arg zermasern -
ist ihm dieses alles gleich,
düngt es ihm ein Königreich,
wenn er eine Jolle hat,
sei sie noch so klein und platt,
sei das Segel noch so ältlich
und in seinen Bahnen fältlich.
Sei sie eine Kenterkitsche
oder naß, mitunter pitsche,
alles dieses stört ihn nicht!

Freudig leuchtet sein Gesicht,
hat er Zeit für einige Tage
abzutun des Lebens Plage
und mit einer Segeljolle,
sei sie zierlich, sei sie volle,
macht er auf seine eigne Art
eine kleine Jollenfahrt!

Gut ist's nie das ganz allein
ist der Mensch, es sei zu zweien!
Auch beim längeren Tourensegeln
halt dies hoch vor allen Regeln!
Erstens hat man Luvballast,
zweitens einen Mann vorm Mast,
der den letzteren, wenn nötig,
umzulegen ist erbötig.

Ferner kann man mit ihm sprechen
und womöglich mit ihm zechen
falls er ist kein Temperenzler
oder gar noch Abstinenzler.
Hüte Dich vor einem solchen,
der mit Fröschen und mit Molchen
Wasser um die Wette trinkt,
dort, wo ihm ein Bierkrug winkt!
Prüf darum vorher den Freund,
ob er Dir auch tunlich scheint,
da in heutigen Tagen
viele sich dem Trunk entschlagen.
Löblich ists - doch diese Art
paßt nicht auf die Jollenfahrt!

Ferner sollst Du auch nicht Leute nehmen,
die man zählt zu den Bequemen,
die nur lieben leichten Wind
und dem Pullen abholt sind.
Die im Wirtshaus lieber speisen
und auf ihren Wink, dem leisen,
tänzelnd kommt der Wirt gezogen,
glättend ihres Magen Wogen.
Diese guten Leute laß in Ruh,
denn sie drückt auch sonst der Schuh.
Beispielsweise wenn am Abend sich die Sonne senkt,
und labend kühl und milde naht die Nacht
rufen sie: 'Jetzt Halt gemacht!
Dort der Wirt hat warme Betten
und ich möchte alles wetten
auch noch guten Rum,
den in Grog man setze um!'
Protestierst Du, bleibt er kalt,
murmelt weinerlich sein 'Halt!
Bester Freund, oh schelte mich,
aber ich erkälte mich!'
Diese guten Leute lasse still bei ihrer
Kaffeetasse und ihrem Federbett,
denn es wäre wenig nett,
sollte man, wenn früh die Sonne
sich erhebt zu unsrer Wonne,
sie aus schwerem Schlummer wecken
und auf ihres Gähnens necken,
da sie ungewohnt der Härte
eines Bodenbretts am Schwerte
alle Glieder arg geschunden,
eben erst den Schlaf gefunden.

Hast Du aber einen Freund,
der Dir abgehärtet scheint,
der aus diesen Sachen
keinen Elefanten tut machen,
der sich selbst tut Kaffee kochen
und mit Spriritus kann stochen
eine kleine Spritmaschine!
Der mit frohbewegter Miene
hinblickt auf ein Spiegelei
was er briet sich eins zwei drei!
Und der stolz ist, wenn der Äpfel-Erden
dazu gebraten werden.
Und der traurig ist beim Essen,
hat zu salzen er vergessen!
Der zum Schlachterladen wandelt
und dort zähes Fleisch erhandelt,
was auf seine zarten Bitten
noch geklopft wird und zerschnitten.
Der an eines Dorfes Pumpen
füllt die leeren Wasserhumpen,
bei dem Wirt des Bieres Krug
und dabei die Hosen trug,
die er schon an Bord getragen
und entstammen ältren Tagen,
die mit Flicken übersäht
und diverse mal vernäht!

Dieser Freund, ha, der ist's wert,
auszufüllen den Platz am Schwert.
Diesen seh'n die ersten Sonnenstrahlen
morgens schon beim Kaffeemalen.
Dieser weiß, wie schön die Welt,
wenn der Mond sie nachts erhellt,
und ein lustig schmetternd Lied
zeigt wie froh sein leicht Gemüt!
Weißt Du solchen Freund zu finden,
tu Dich schnell mit ihm verbinden,
denn ein Freund von dieser Art,
der ist's wert der Jollenfahrt!

aus "Der Segler auf der Niederelbe" von 1920