Crewwechsel

Ich bin noch nicht zurück am Boot, da hält drüben schon ein Taxi, Sigrid und Bernd sind da! Die müssen den Aachenern auf der Brücke begegnet sein. Auch Guido&Familie sollen unterwegs sein. Sigrid hat gestern zuhause die Rettungsweste ausgelöst, Bernd will nun Patronen kaufen, da die Shops aber um 13h schließen (ist ja schließlich Samstag) hat er jetzt ne Weste ohne Gas. Na, wenn die Wettervorhersage stimmt kann es gut sein daß er sie gar nicht brauchen wird...

Es giesst mal wieder, alles gewaschene ist tropfnass, als es gerade mal aufhört bringen Bernd und ich Sandra zum Bus (13 Kuna). Tschüß Sandra, war schön mit Dir, flieg recht gut heim! Wir gehen weiter zum Supermarkt, leider haben wir jetzt nicht mehr genügend Zeit bevor Miro mit Rabea&Richard, Erwin und Anke vorbei fährt, deswegen besorgen wir nur Wasser und passen das Taxi auf der Altstadtbrücke ab. Ich werde mich gegen 19h bei ihm melden, dann holen wir den Rest, aber erstmal gibts Kaffee, willkommen an Bord!

Sigrid räumt auf und wir sechs machen uns mit einer langen Einkaufsliste, die Rabea und Anke zusammen gestellt haben, zum Supermarkt auf. Auf dem Markt machen wir einen kurzen Stop, ich kaufe Börek, das Blätterteiggebäck mit Spinat, Schafskäse oder Hackfleich, knackig, es verdampft buchstäblich an Ort&Stelle, hmmm... Obwohl der Einkauf für eine ganze Woche bestimmt ist schaffen wir es, alles zum Boot zu transportieren ohne das Auto in Anspruch nehmen zu müssen. Nunja, das Bier ist ganz schön schwer... Miro ruft an: wann wir denn mit Einkauf fertig sind, er wolle nur helfen, nichts berechnen; das ist total lieb von Dir, aber wir haben es auch so geschafft, Danke und bis nächsten Samstag!

Dann machen wir uns landfein und treffen uns mit Puttkamers in der Konoba Tragos in der Altstadt, wo wir das erste Essen verschlingen: gespicktes Rindfleisch auf Trogir' Art, zuhause nennt man das Sauerbraten, sehr lecker. Es wird ein stimmungsvoller Abend. Durch die laue Sommernacht und durch die verwinkelten Gässchen dieser wunderbaren alten Stadt schlendern wir heim zum Boot, ist ja nun wirklich nicht weit, Erwin spendiert mir noch ein leckeres Eis und wenig später bin ich wieder 'aus'. Ich bin froh, daß die heutige Planung so prima hinhaut. Alles richtig gemacht, ein gutes Gefühl!

Trogir am Sonntag morgen

Fredl Fesel: Der Glockensong

Um sieb'n Uhr morgens in der Nacht,
da hat's auf einmal furchtbar kracht,
i lig a Meter über mei'm Bett
und denk des gibt's doch ned.

Der Christen fromme Lämmerschar,
die hat gesungen wunderbar,
der Pfarrer hat sein' Herrn gelobt
und drüber hat die Glock'n tobt.

Bei dera Kirch is des der Wurm,
da hängen d' Glock'n frei im Turm,
damit oam von dem frommen Klang
koa oanzigs Phon entgehen kann...

Nein, hier wird einem nicht nur jeds Viertelstündchen geschlagen, am Sonntag wird der Christ auch gleich alle halbe Stund an seine Christenpflicht erinnert, und das auch gleich von mehreren Türmen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, i lig hellwach an der Decke...

Anke, Erwin und Rabea kaufen den Markt leer und 7 Fische für 200 Kuna, heute abend wirds mal wieder 'billiges Essen' geben, hatte ich ja lange nicht mehr. Das nennt man wohl 'einseitige Ernährung', vermutlich wachsen mir Ende der Woche zusätzliche Flossen und Kiemen...

Drüben, am Ufer, wo alle 15 Minuten die Glocken toben, setzt sich eine Prozession in Bewegung, die heilige Maria wird am Ufer entlang getragen. Hier ist man noch richtig katholisch, Europa ist christlich, sagt unser Stegnachbar und es klingt wie eine Beschwörung.

Ganz entspannt, erst als die mittlerweile halbwegs trockene Wäsche geborgen ist, alle auf dem Töpfchen waren und nach einer ausführlichen Einweisung (die Anke weitgehend verschläft), legen wir ab, fragen noch kurz nach Guidos Schiffsnamen (Dorko) und dampfen in die Trogir-Bucht hinaus. Diesmal zeige ich ausführlich das seitliche Anlegen am Wellenbrecher der Marina in Seget Donji und das Setzen und Bergen der Segel: kontrolliert rein- und raus, nicht weiter als bis zur Markierung, weil sonst das Vorliek des Großsegels beim Bergen nicht in die Mastnut einfädelt, sondern blockiert, da hat jemand offenbar schonmal mit der Winschkurbel Gewalt angewendet. Bei uns klappt das prima. Anke holt ihr Tablet, auf das wir zuhause die Seekarte von Delius Klasing gespielt haben, die Software auf dem Bootstablet von Navioniks zeigt allerdings deutlich besser die Tiefenlinien im 2m-Abstand an, das brauchen wir auch als wir vor Drvenik die Inselkette durchfahren. Richard sagt die Tiefen an und Rabea steuert. Merke: Der DK-Satz ist ok, aber Navioniks ist detaillierter.

Ich spreche mich mit Guido auf Kanal 69 ab, der Wind kommt direkt aus Richtung Solta, dann schläft er ein. Also wenn wir wirklich nach Vis wollen werden wir entweder morgen früh aufstehen müssen oder motoren. Wir biegen nach Norden ab und dampfen in unsere Ankerbucht vom Donnerstag Mali Luka auf Drvenik, lassen den Anker genau da fallen wo er unlängst lag. Ist das schön hier, etwas kühl, über Brac sieht man Gewitterwolken und das Radar zeigt Einschläge, hier dagegen kommt sogar die Sonne raus. Und obwohl das Wasser nicht gerade warm ist sind bald alle drin, Guidos Jungs haben ihre Neopren-Shorties an und schnorcheln durch die Bucht, Erwin nimmt die Fischlein in der Sonne sitzend aus und schuppt kräftig, eines flutscht ihm durch die Finger und sucht das Weite, da springt Erwin dem Abendessen kurzerhand hinterher.

Wenig später schnappe ich mir meinen kleinen Rechner und trage das Blog nach, mit einem Glas Rotwein rittlings auf dem Decksalon sitzend bis die Sonne recht kitschig untergeht - ähm, sorry Folks, es gibt Abendessen, ich muß Schluß machen, es riecht verführerisch aus dem Boot, ich hab Hunger und will noch etwas abhaben, also: Bis morgen!! :-))

die haben Sonne und Wind mitgenommen!!

Alle ungeraden Stunden krabbelt Anke aus der Koje und guckte nach dem Wetter solange wir vor Anker liegen, ich hab mir alle geraden Stunden den Wecker gestellt. Gestern war schon um 22h alles aus hier an Bord, gegen 1h wechsle ich ins Cockpit, es geht ein bißchen Wind, Sterne sind zu sehen und ein halber Mond, es ist warm, leise wiegt sich das Boot vor Anker, schön.

Um 6h, es ist noch stockfinster, bekomme ich Besuch, keine halbe Stunde später ist fast die ganze Crew im Cockpit versammelt, Erwin macht Kaffee, dann genießen wir den nicht vorhandenen Sonnenaufgang um 7h, es hat zugezogen und als wir um halb 8 den Anker heben setzt Nieselregen ein. Kein Wind, grauingrau, miese Sicht, wir motoren gen Vis, hinkommen werden wir wohl, aber obs morgen auch Sonne für die Grotte gibt? Ich traue keiner Wettervorhersage mehr, die handgemachte vom Wetterzentrum Split ist die, die das Elend zutreffend beschreibt:

Michael Buble - Hold on
Didn't they always say we were the lucky ones?
I guess that we were once, babe, we were once
But luck will leave you 'cause it is a faithless friend
And in the end when life has got you down
You've got someone here you can wrap your arms around

So hold on to me tight,
hold on to me tonight
We are stronger here together
than we could ever be alone
So hold on to me,
don't you ever let me go

Chillige Musik hat der Rudergänger angefordert während er durch das triste Regengrau nach Süden steuert, kriegt er also Michael Buble. Die GFS-Vorhersage liegt wieder daneben: wo bitte sollen hier die versprochenen 4, in Böen 5 sein? Ein Wetter zum im-Bett-bleiben. Ich bin froh, daß wir gestern abend in der Bucht lagen, geschwommen sind und den Abend genießen konnten, alles richtig gemacht, volle Punktzahl, so solls sein. Das stabile Hoch über der Adria, das uns vergangene Woche so viele Sonnenstunden beschert hat, wird schwächer; fürs Wetter ist die Reiseleitung nunmal nicht zuständig. So machen wir das Beste draus, Land ist keins zu sehen, der Motor motort, die einen schlafen, andere lesen, wir fahren ins Nirgendwo, es gibt nicht mal Internet...

Da sind doch einige wirklich untersegelt! Um 09:10 auf 43°20N 16°05E rollen sie tatsächlich die Segel aus, und oh wunder es gibt sogar Schräglage, wow! Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil, bis 11.30 hält der Wind durch, wir haben sogar ein kleines Reff drin, dann fällt der Wind ebenso schnell zusammen wie er gekommen ist, ist uns aber egal, wir wären eh gleich im Windschatten der Insel Vis angekommen, gut daß wir so früh gestartet sind, so rollen wir die Segel ein und parken gegen halb eins diesmal an der nahezu bootfreien Hafenmole ein, die Bojen sind alle unbesetzt, kaum zu glauben, daß wir letzte Woche eine der letzten bekommen haben. Neben uns parkt Guido und das ist gut so, da wir unsere Planke nicht vernünftig an die deutlich höher liegende Hafenmauer bekommen. So steigen wir erst zu ihm über und dann von seiner Bavaria an Land. Der Oktobertarif beträgt für unser Schiffchen 520 Kuna, und das für ein reichlich bescheidenes Waschhaus - ich kann schon verstehen, daß viele die Boje bevorzugen sofern man mit dem Dinghy an Land kann.

und wenn Du wissen willst, was Schinkenbeutelchen sind, wer hier den Schrank bewohnt, was der Zahnarztmann so empfiehlt oder was es mit drei-hoch-drei-Rührei auf sich hat: schreib ne mail...
Langsam füllt sich die Mole, der ein oder andere Einparker sorgt für Hafenshow, unser Nachbar hat es offensichtlich auf die Murings seiner Kollegen abgesehen, aber alles geht gut und wir lernen dabei mit den Augen. Nach dem verspäteten Frühstück (mit einem Schluck Anlegerbier) fallen einige in Tiefschlaf; Rabea, Erwin & Anke erlaufen das pittoreske Örtchen und machen sich auf die Suche nach einem Supermarkt (Automaten gibts hier verschiedene, am Fischmarkt ((ab 7h)) auch eine Metzgerei). Und als sie zurück sind testen wir unsere Badehosen; hier scheint das Wasser etwas warmer als in unserer Badebucht auf Drvenik.

Landfein gemacht schlendern wir rüber zur Konoba Barba, diesmal bestellen wir weder Shrimps noch Fisch, sondern Fleischplatte auch wenn sie so nicht auf der Karte steht. Hier gibt es den mega-besten Mangold weit und breit, wir bestellen gleich 3mal nach: 200 Kuna = 30 € pro Nase ist vollauf ok. Und da der Skipper eingeladen ist spendiere ich auf dem Rückweg ein Eis. Ich wandere noch mit Erwin und Anke durch die stillen Gassen zur Kirche rauf, dann gesellen wir uns zur netten Runde in unserem Cockpit, genießen mit der Crew unseres Begleitboots das Hafenleben und die Szenerie: schön ist es hier. Es dauert wieder nicht lange und gegen Mitternacht sind wir alle aus...

Dienstag, oder?

Der Wecker geht um 6:30h, zum Sonnenaufgang um 7 wollen wir in See stechen um die Blaue Grotte auf Bisevo als erste zu entdecken. Zuvor besorgen Rabea&Erwin noch frischen Fisch, zwar nicht vom Fischmarkt, so doch aus dem benachbarten Laden, kaufen den Bäcker leer während wir wieder Frischwasser auffüllen. Dann sollte es eigentlich losgehen, aber Bisevo drüben liegt nicht im Sonnenschein, und ohne blauen Himmel und damit blauem Wasser ist die Grotte eben nur eine graue Grotte - grottig eben...

Also frühstücken wir im Cockpit und lassen es wieder gemütlich angehen. Um 10h verlassen wir endlich den Hafen, setzen kurz danach die Segel und umrunden Kap Gnjlina. Mit 4,5 Knoten steuert Bernd zunächst 175° in die offene See hinaus, bei 43°57,0N wenden wir und Sigrid kann fortan etwa 45° segeln, ergibt einen Wendewinkel von 130° - nunja, eine wandelnde Ferienwohnung ist unser Schiffchen halt, man kann nicht alles haben. Zufälligerweise steht unser Kurs genau auf den Eingang der Stiniva-Bucht, dem Canyon-Einschnitt an der Südküste von Vis. Der Wind schläft ein, wir treiben aber doch noch bis hin, drehen eine Runde und machen Fotos, laut elektronischer Navigation fahren wir 100m östlich über Land.

Dann gehen wir gegen 13:30h zwei Buchten weiter vor Anker. Die Sonne kommt sogar raus und wir springen ins wasserblaue Nass, das Wagenrad Burek verdampft zum Kaffee, gegen 15h gehts weiter und wenig später, etwa in Höhe der Felsspitzen von Milna (Achtung: Gefahrenstelle!!), setzen wir für die restlichen Meilen die Segel. Am Leuchtturm von Stonica biegen wir links in eine Bucht ein und machen an einer Boje fest nachdem wir mit unserem Anker den Seeboden umgepflügt haben.

Sandra hat uns die Rüsselseuche importiert, na toll, bei mir läuft nun die Nase und der Kopf droht zu platzen. Erwin zieht sich schonmal schwimmgeeignete Kleidung an und nimmt dann am Heck die Wolfsbarsche aus, brät sie anschließend und dann gibts lecker Happa. Wir sitzen wieder gemütlich im Cockpit und gerade als wir ins Bett wollen versinkt das Boot im Stockdunkeln - Plopp: Stromausfall! Ui, was nun? Alles sieht eigentlich gut aus, die Maschine startet, die Service-Batterie scheint tot, es riecht nicht angebrannt, die Kontakte sind auch ok, so dreht Richard die Sicherung wieder rein und alles scheint wieder in Ordnung. Na prima, immer mal wieder etwas Neues, segeln ist bekanntlich Abenteuer - dann können wir ja ins Bett gehen.

Bliebe nur noch nachzutragen, daß in der Nacht so ziemlich jedes Wetter über uns hereinbricht: Stark- und Nieselregen, viel und wenig Wind - ich bin froh daß wir so geschützt liegen. Wieder mal alles richtig gemacht :-)

richtige Entscheidungen

Der Luftdruck sinkt. Das Gewitterradar zeigt bereits eine Front etwa bei Zadar, gen Süd ziehend. Wenn wir Glück haben, zieht es knapp vorbei, die Vorhersagen einigen sich einigermassen auf abflauend nördlichen Wind, morgen solls nochmal sonnig werden, heute nass. Also wenn wir uns darauf verlassen wollen wäre Vis nochmal eine Option, dann könnte man morgen nochmal die Grotte anvisieren, vielleicht Porat auf Bisevo, das wäre dann aber ein weiterer Tag ohne Restaurant. Korcula ist mir zu weit weg, es soll ja schwachwindig aus Nord wehen, das hieße Donnerstag und Freitag unter Motor gegenan. Ich muß gleich mal mit Guido konferieren. Jetzt gibts erst mal Paracetamol mit Kaffee...

Mir gefällt das ganz und gar nicht: die Gewitterfront zieht die Adria runter und wird immer dicker, wer weiß was da alles drin ist. Porat öffnet sich nach SW, Komiza zur Not nach W, der Ort Vis selbst ist mir zu unruhig. Hier liegen bleiben wäre eine Option, aber die Front zieht genau auf Vis zu. Wir machen uns von der Boje los und treiben nur unter Fock aus der Bucht. Und obwohl alle Wetterberichte schon die ganze Zeit von NE-Wind reden bläst es die Küste entlang aus SE dem Gewitter entgegen, das spricht nach aller Küchenmeteologie für Reibung, und die Zelle wird immer größer. Gut daß ich Guido auf Kanal 69 habe, ich schlage vor, die 10sm rüber nach Hvar zu Marco in die Vela Garska zu gehen, das ist zwar nur ein kurzer, aber sicherer Schlag, verlängern können wir immernoch. Guido ruft ihn an und avisiert uns.

Am Horizont wirds schwarz, das Gewitterradar wird immer bedrohlicher, bei gutem Wind segeln wir auf Sveti Klementi zu, Guido geht unten rum, ich würde gerne oben rum, aber angesichts der Lage fahren wir dann mit einem kurzen Extraschlag (hier lernt man Kursberechnung) doch quer durch die Inselkette, diesmal von See kommend. Vor Hvar liegt die Royal Clipper, der einzige 5-Master der Welt, wir machen Fotos, die Gäste scheinen den Ort leerzukaufen, die Besatzung vergnügt sich mit Lasern am Heck, wir drehen eine Runde ums Schiff und schießen Fotos. Drüben auf Vis gehen die ersten Blitze nieder und nördlich gibts vor dunklem Hintergrund Lightshow; wir liegen offenbar genau richtig in der Zeit.

Dann motoren wir Richtung Marco, der uns schon erwartet, er macht uns an einer Vor- und Achtermuring fest - hier liegen wir wie in Abrahams Schoß. Kaum haben wir das Anlegebier aufgerissen öffnet der Himmel seine Schleusen, die Front entläd reichlich Wasser über uns, Split meldet tatsächlich kaum Wind aus Nord. Um 18:30h wird uns Marco holen, alles richtig gemacht, Anke wird entweder gleich ins Buchtwasser springen oder in die Koje klettern, es werden Wetten angenommen, ich denke, mit diesen kleinen Augen ist sie gleich 'aus', trotz Erwins starkem Kaffee, den er mir gerade anreicht. Bernd&Sigrid hab ich auch schon längere Zeit nicht mehr gesehen...

Jetzt prasselt es aber heftig! Und donnern tuts auch ganz gehörig, auf der Rückseite der Front ists plötzlich kalt geworden (daher der Name Kaltfront). Jetzt ist die Lightshow über uns, es kracht und blitzt fast gleichzeitig, bei sowas möchte ich nicht auf dem Wasser sein; Mensch, bin ich froh, hier zu sein! Rrrums, der war nicht weit weg!

Gewonnen! Anke ist aus... ;-))
Um 18:30 holt uns Marco ab, der Regen hat aufgehört, aber es ist noch alles klamm, mein Kreislauf ist ziemlich runter, die Nase läuft, der Kopf platzt und Husten hab ich auch. Mit Hirsch Harry und wäßriger Fischsuppe, 25 € pro Weinflasche, Boje und Transport sind wir knapp 50 € pro Nase in der Konoba Mareto los, ein stolzer Preis! Dafür liegen wir aber auch absolut sicher. Irgendwo britzelt es auf dem Boot, wir können nix finden, vielleicht abfließendes Kondenswasser? Oder das Geräusch des ans Ufer schlagenden Wassers? Alles grübeln hilft nichts, wir versuchen zu schlafen. Richard und ich überlegen, uns morgen früh um 4h aus den Federn zu wälzen, um die Lage zu checken, noch haben wir die Grotte nicht abgeschrieben, Windfinder sagt Sonne voraus und es sind 25sm, allerdings bei schläfrigem Wind. Aber ohne steifen Segelwind machen 50sm an einem Tag keinen Sinn, ich denke, wir gehen morgen gemütlich nach Solta. Gute Nacht!

Sunset

Die Nacht war nicht schön für mich, Erwin hält es um 6:30h auch nicht mehr in den Kissen, zum Sonnenaufgang macht er schon Kaffee und mir ne heiße Gemüsesuppe. Da wir gestern wenig Sonne hatten terrorisiert uns der Battery-low-level-alarm, letztlich haben wir alles abgeschaltet. Jaques bekommt meine Angelausrüstung, der freut sich und wirft voller Eifer die Leine aus. Der Wetterbericht sagt sonnig, wenig Wind, erst abends nass voraus. Wir gehen fast alle schwimmen, das Wasser ist gar nicht kalt hier, man kann tief bis auf den Grund gucken, so klar ist es hier, die Fischlein schwimmen vor unserer Nase, Anke schnorchelt. Da nach jedem Bad auch geduscht wird ist das Frischwasser auch schon wieder nachfüllbedürftig. Also peilen wir Maslinica an, mal sehen ob wir da alles bekommen was wir wollen. Gegen 11 verlassen wir also diesen gastlichen Ort und machen uns auf die 17 sm, setzen alsbald Segel und treiben mit rund 2kn in der Spitze gen Nord-Westen. Das kann also noch etwas dauern...

Der Rest ist schnell erzählt: Wir treiben. Wir motoren. Über dem Festland dicke hohe Wolkenklopse, aus denen es kracht. Endlich in Solta gehen wir in der Sesula-Bucht schwimmen, der Anker hält so einigermaßen, ich probiere die an Bord befindliche Feststoffrettungsweste im Wasser aus (der Schrittgurt ist hinderlich und sinnfrei). Dann folgen wir Guido in die nagelneue Marina, sehr schön hier, 532 Kuna, die sich im Vergleich zu Komiza wirklich lohnen (Tip: vorher reservieren, wenn man innen liegen will!! VHF-Kanal 17). Ein Sonnenuntergang, wie er in der Karibik nicht schöner sein kann. Die Teilnehmer einer kroatischen Regatta kommen herein und unterhalten mit ihrer Musik die ganze Marina, da gibts ne Menge guter Laune!

Der Supermarkt hat schon zu, dann leben wir eben von unseren Vorräten, 4mal essen-gehen und 3mal Selbstverpflegung, wir werden so mit 2000 Kuna pro Nase hinkommen, das ist fein so. Freitags ist Crewwechsel in Trogir, da werden die Konobas gestürmt, es ist ratsam dort einen Tisch zu bestellen, zumal wenn man mit 12 Nasen kommen will. Die Konoba Toma (+385/91/781 7142, wichtig: MIT Ländervorwahl, sonst kommts nicht an!) bestätigt per SMS - perfekt!

Diesmal gibt es mit rotem und grünem Paesto, dazu Würstchen und Salat. Wieder ein Tag mit vollen Wohlfühlpunkten. Bernd verlangt Wiederholung im nächsten Jahr - daß ich gestern etwas unfreundlich geworden bin, als wir verzweifelt nach der Ursache des Kurzschlußgeräuschs waren, hat er mir hoffentlich verziehen, ich bin halt auch nur ein Mensch und bei Strom verstehe ich keinen Spaß. Wir haben ein Friedensrotwein miteinander getrunken. Später kommt die Besatzung unseres Begleitboots noch vorbei, und irgendwann sind wir dann tatsächlich aus.

nochmal: gaaanz entspannt

Auf der Sugar Daddy vermisse ich einwenig das ausführliche Manual, das André in Andijk für jedes Boot erstellt hat. Wir haben ein Funkgerät NAVMAN VHF 7100 und ein Radio namens SONY CDX-GT45OU, vielleicht finden wir zuhause ein Handbuch mit dem man feststellen kann, wie man die Cockpit-Lautsprecher ausstellen bzw. voll auslasten kann. Es kann CDs und USB-Sticks mit MP3 spielen, zudem hat es einen Vordereingang, an den ich mit einem passenden Audiokabel meinen Rechner oder mein Händi hänge - das sorgt für gute Laune. Das vorhandene Tablet hat die sehr brauchbare Software von Navionics und natürlich Internet-Zugang, also eigentlich alles da was man als Skipper so braucht.

Ein Fön ist vorhanden. Spülmittel&Schwämme, Duschgel, Einwegrasierer&Rasierschaum, Teelichte&lange Feuerzeuge, Kartoffelmesser&Kartoffelschäler, Druck-Seifen kann man im Supermarkt in Trogir kaufen (Samstag bis 21h, Sonntag bis 13h auf, Markt auch Sonntags).
Importieren sollte man:
  • ein scharfes Brotmesser und einen ordentlichen Dosenöffner
  • Edding und ne Rolle Kreppband, Tesafilm
  • Plastik-Butterbrottüten, kleine Müllbeutel,
  • Bändsel, zB. für die Aufhängung von Klorollen, Stromkabeln, Mülltüten
  • zwei kleine Flaggen als Verklickerersatz (eine davon D)
  • eine kleine Plane, da das Bimini bei Regen undicht ist (ggf. beim Vercharterer erfragen)
  • Geschirrtücher, Spülbürste, Stahlwolle (für die Pfanne)
  • einige ZIP-Beutel, Gummi-Bänder (für Zucker und die Fliegen-Jagd)
  • Kaffeefilter 1*4 und eine Nummer größer (die scheints hier nicht zu geben)
  • ev. ein Kuna-Portemonnaie für Münzen
  • Neopren-Shorty und Badeschuhe
  • je ein Badetuch für Süß-und Salzwasser
  • Fenistil, Paracetamol/Ibuprofen, Sonnencreme sollte jemand für alle mitbringen
  • Halsspray, Betaisodona, Reiseapotheke (wg. dt. Anleitung)
  • Wir verlassen das gastliche Maslinica, es war wirklich schön hier. Anke, Rabea und Richard legen beide nochmal rückwärts an, draußen vor dem Hafen fällt Stefan über Bord, Anke versucht ihn rückwärts gegen den Wind anzufahren, ist gar nicht so einfach. Dann bringen wir ne lange Leine aus und binden daran Stephan fest, Richard kreist so um Stefan, daß dieser sich festhalten und er so an Bord gezogen werden könnte. Es dauert nicht lange und Stefan und Stephan sind wohlbehalten wieder auf dem Trockenen aufgehängt, traulich nebeneinander wie es sich gehört.

    Am Horizont türmen sich wieder die Wolken, wir haben sie im Blick. Der Wind ist eher vernachlässigbar. Guido liegt schon in der blauen Lagune auf Drvenik und hat alle Fender nach Backbord ausgehängt, der traut unseren Kenntnissen wohl nicht so recht. Wir legen uns zu der Dorko ins Päckchen, über die sonst so friedliche Lagune schallt kroatische Partymusik, die Regatta-Leute von gestern sind auch wieder da. Wir gehen schwimmen, essen die Vorräte auf, lesen, chillen in der Sonne, boah, IST DAS LANGWEILIG hier... Im Flachwasser liegen tatsächlich einige Bojen, nix für uns. Ich würde gern nochmal hier essen gehen, aber der Grund ist sandig und Ankerwache gehen ist blöd. Ist ganz gut so daß wir heute abend wieder in Trogir liegen werden.

    Gegen 15h brechen wir auf, ich möchte wissen wie tief es an den Bojen ist, aber bei 2,5m lege ich den Rückwärtsgang ein. So dampfen wir aus der Bucht heraus. Kaum auf Kurs Heimat werden die Segel gesetzt, das Tablet weigert sich eine Ankunftszeit zu prognostizieren, kein Wunder, wir treiben mit 1,5 Knoten in der Spitze, Sugar Daddy steuert 011°, das kann also noch dauern...

    Na, das war ja nur ein kurzes Vergnügen, alsbald werden die Tücher wieder eingerollt. Als wir um die Huk biegen erschallt das mittlerweile traditionelle Einlauflied, full power so daß man es am Ufer hören kann. Nunja, Tradition muß eben sein. Ich bin versucht, an der Flotte der vor der Tankstelle wartenden Boote angesichts des zu erwartenden Schauspiels mit "We are the Champions" vorbeizulaufen, aber das wäre vermutlich nicht sonderlich clever. Ivica schimpft mich aus weil er unseren Liegeplatz offenbar weitervermietet hat, jetzt muß er sich etwas einfallen lassen. 42 Sekunden stoppen wir den Landkontakt, 205 Kuna, den Besatzungen der wartenden Boote steht der Mund offen, diesmal muß ich "nach hause" laufen.

    Ich bestelle Miro per email für morgen 13h, der Service kommt an Bord und kümmert sich um unsere Wehwehchen: das Spülbecken läuft wieder ab, wir bekommen ein neues Dinghi, Daniel säubert die Logge.

    Mit 1000 Kuna in die Bordkasse und 4*250 Kuna kommt man eigentlich für eine Woche hin.
    Abends essen wir die ebenfalls nicht sehr strapazierte Bordkasse leer, gut 200 Kuna pro Nase im Toma. Der Skipper läd wieder zum Eis ein. Was für ein schöner Tag, volle Punktzahl.

    der Himmel weint

    Wie machen die Kroaten das bloß: Samstags gießt es hier in Ströhmen. 4 Wochen war ich bislang hier, jedesmal goß es am Abflugtag.

    Gegen 7h werde ich wach, Anke hustet, die hats jetzt also auch (nacheinander Halsschmerzen, Nase, Husten). Da es gerade mal trocken ist wandern wir auf den Markt und kaufen alles verfügbare Spinat-Bürek (je 7 Kuna) auf, besuchen den Fischmarkt daneben (6-15h, unbedingt dort frisch einkaufen), im Konzum hole ich Pressseifen. Als wir zurückkommen gibts bereits Kaffee, so mag ich das. Dann bricht der Himmel, es regnet wie aus Kübeln, Miro holt gegen 13h Sigrid&Bernd und Erwin hab - Tschüß, war schön mit Euch! Gute Reise, guten Flug, kommt gut heim! Wir ziehen die Betten ab, machen ein bißchen sauber, und dann ist auch diese Woche zuende, schön wars. So darf es weiter gehen.


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