Jetzt gehts los: Trogir

So, also es geht los. Checke bei GW ein, noch nix los, ich bin früh dran. Die ersten Hürden: rechtzeitig, richtiges Datum, richtiger Flughafen, Personalausweis gültig und dabei, richtiger Flug, kein Übergepäck, kein Gequengel wegen Rettungsweste, alles ok, puh. Ich hab immer Angst dass ich am Schalter zu hören bekomme: Wieso heute? Letzte Woche !!?

Zwischen B und C setze ich mich ins Cafe von Kamps, hui, die lassen sich die Aussicht aufs Vorfeld aber gut bezahlen: 3,80 kostet der große Capuccino, dafür gibt's Steckdose und freies Wifi, na immerhin. Für mich ganz ungewohnt: Ich hab Zeit! Koffer und Rucksack waren gestern abend schon fertig gepackt, ich bin gut 2h vorm Bording am Flughafen, für jemanden wie mich ist Zeit-totschlagen ein seltenes Erlebnis. Ist aber auch mal ganz schön.

Ich schaue mir die Live-cam an, blauer Himmel, Split meldet jetzt schon 17 Grad (froi ☺ und 21 Grad Wassertemperatur, die Wettervorhersage verspricht bis Dienstag schwachwindig, sonnig und bis 23 Grad. Dann aber Regen für den 2. Teil der ersten Woche und für Donnerstag kräftigen Wind. Na, mal sehen wies wird.

Fanny (Markus) und Alfred treffe ich im Abflugbereich. Den ganzen Weg fliegen wir über eine weiße Wolkendecke, ich sitze wieder links am Fenster, es gibt Brot mit Salami und Tomatensaft. Kurz vor der Küste reissts auf und wir fliegen den KrKa entlang, über die Wasserfälle, dann fliegt die Maschine aufs Meer hinaus, am Horizont liegen Split und Trogir, Linkskurve und dann geht's über unser Schiffchen runter. Koffer holen, Geld am Automaten (7,19 Kuna pro Euro), dann spricht uns der Typ vom letzten Jahr an und bringt uns mit seinem Kleinbus für 150 Kuna direkt in die Marina. Später soll er die Aachener am Gate abholen.

Wow, Ms. Vanja fällt mir um den Hals, womit hab ich das denn verdient? Bekannte Kundschaft, sagt sie und erledigt gewohnt fröhlich die Formalitäten, die Crewlisten sind schon fertig, wir bekommen wieder eine gute Übergabe, dann strolchen wir drei in die Stadt, holen riesige Tomaten, harten Schinken und lokalen Käse auf dem Markt. Im Supermarkt zerstört Alfred eine Colaflasche, die Sosse verteilt sich großflächig zwischen den eng gestellten Regalreihen, das wird eine klebrige Angelegenheit.

Mit seinem überhoch beladenen Einkaufswagen lassen wir ihn zur Strafe am Wegesrand liegen, wo ihn der Taxifahrer einsammeln soll. Fanny und ich wanken stattdessen schwerbeladen zum Schiff zurück, im Hafenshop besorge ich ein Sixpack kaltes Bier, das wir quasi inhalieren. Währenddessen verzögert sich die Ankunft der Aachener, weil der Automat am Flughafen die ec-Karte gefressen hat. Als wir deswegen Alfred gerade eine kalte Dose bringen wollen, tauchen sie doch noch auf, werden aber samt Getränken bis zum Office gefahren und müssen den ganzen Kram dann quer durch den Hafen zum Boot zurück wuchten - ach egal, das passiert halt.

Lutz hackt auf unserem Schinkenspeck herum, der Käse verdampft quasi. Lutz bleibt an Bord und philosophiert über eine Stunde lang mit dem Basemanager, der sich wieder sehr bemüht, uns zufrieden zu stellen, über das nicht-funktionierende Wifi, am nächsten morgen geht's tatsächlich; sicherheitshalber baut er seins aus seinem Privatboot aus und gibt es uns mit - DESWEGEN gehe ich so gern zu dieser Chartercompany.

Wir anderen machen uns auf die Söckchen und entdecken die Altstadt. Oben auf der Terrasse der Konoba Toma werden wir mit Fleisch- und Fischplatte hervorragend versorgt, 1l Hauswein rot, vorab frittierte Ährenfische als Vorspeise, hmmmmm.... Pro Nase 200 Kuna, aber es war auch wieder echt guut. Ich hole Sandra vom Busbahnhof ab, dann überreden wir den Typen, der gerade seine Eisvorräte einschließen will, noch mal aufzusperren und wie wir genussvoll schlecken bleiben immer mehr Passanten stehen und wollen auch eins. Jetzt muß er wohl Überstunden machen. Wir schlendern durch die laue Spätsommernacht zum Boot zurück und vernichten noch ein Döschen - ich falle danach direkt ins Koma, was für ein schöner Tag!

nicht immer ist "tief drin" besser...

Wir liegen tief in der Sesula-Bucht auf Solta bei Malinica. In Trogir sind fast alle Charterboote ausgelaufen, und viele Skipper sind auf die gleiche Idee gekommen wie wir, hier die Nacht zu verbringen. Der kleine Stadthafen ist voll, die Bucht hat Bojen vor einem offenbar gut besuchten Restaurant, aber weil die Mädchen gestern Fisch auf dem Markt gekauft haben gehen wir auf die andere Buchtseite vor Anker. Der slipt leider, wir holen ihn wieder auf und bringen ihn neu aus, dazu sicherheitshalber auch den Ersatzanker mit dem Dinghy, zum Land eine Achterleine, das ganze dauert gefühlt ne Stunde, zur Freude der Ankerlieger veranstalten wir heute die Hafenshow, zumal wir an Bord mehrere Kapitäne zu haben scheinen. Aber die Konstruktion macht Sinn, denn ganz im innern der Bucht ist man zwar vor Schwell prima geschützt, aber von der anderen Seite her pfeifft der Wind durch die Düse. Und zwar durchaus heftig, gefühlte sechs bis sieben, dann wieder nix und gleich wieder von vorne. Das Rigg singt und vibriert, ich bin froh über den 2. Anker, einer von beiden wird schon halten. Am Morgen sind wir tatsächlich ein paar Meter an die anderen Boote herangetrieben, ich hab an Deck gepennt, als Skipper ist man halt immer in Sorge. Einige haben sich einfach mittig in die Bucht gelegt und schwoijen dort vor Anker, das geht solange der Wind nicht dreht. Schade, tut er nicht, denn dann hätten wir super geschützt gelegen und die Kollegen Landkontakt gehabt. Na, man kann nicht alles haben.

Ganze 10sm sind wir heute gekommen, ein paar unter Motor; da wir es recht relaxed angehen lassen sind wir auch erst spät ausgelaufen. Die Mädels haben Großeinkauf gemacht (Fischmarkt bis 15h in Trogir neben dem Konzum), abends gibt Fisch satt an Bord, hmmm... Als Nachtisch karamelisierte Apfelscheiben und bekleckerte warme Banane. Mache Bekki einen Heiratsantrag, Lutz gibt sie aber nicht her. Der weiß schon warum.

schon Montag...

Schön ist es hier, die Mädels gehen wieder schwimmen und bringen die Landleine mit, der Wind hat nachgelassen, ich bin einwenig gerädert weil die Bank im Cockpit zum schlafen recht schmal ist. Die Anker haben sich umeinander geschlungen und den Fender eingefangen, den wir zur Markierung ausgebracht haben. Entsprechend umständlich verläuft die Bergung und Fanny geht kurzerhand ins Wasser um das Wooling zu klarieren. Dann tuckert uns Lutz aus der nahezu leeren Bucht. Der Wind ist leider mau und von achtern, die Segel schlagen im Wellengang, Komiza auf Vis ist 24sm entfernt, das kann also dauern.

Zudem hat der Wind von schräg-achtern eine deutliche Welle aufgebaut - ich rate Bommel, die Tabletten gegen Seekrankheit jetzt einzuwerfen. Wir taufen unser Schiffchen in MS Sugar Daddy um, denn was wir heute nacht zuviel hatten haben wir jetzt zuwenig. Auf halbem Weg entledigt sich Sandra des Frühstücks und ich gleich darauf auch, na toll, dafür gehts uns beiden jetzt besser. Ich hätte die Vitamin-C-Tablette nehmen sollen als ich sie Bommel angeraten habe. Nunja, es war eh kaum was im Magen.

An dieser Stelle lohnt es, sich ein paar Gedanken über die Geschichte der Region zu machen. Da haben wir zB. Diokletian, der bei Split geboren wurde und es immerhin um 300 zu einem römischen Kaiser gebracht hat. Wenn man in Split ist kommt man nicht um den Besuch seines riesigen Palasts herum. Überall findet man Reste der römischen Besatzung, die die ersten 500 Jahre n.Chr. andauerte. Dalmatinische Piraten errichteten um 900 einen kleinen Piratenfreistaat, dem es nach einer vernichtenden Seeschlacht sogar gelang, gute 100 Jahre lang von der venetianischen Handelsmacht Tribut einzufordern.

Die Sarazenen waren hier, Byzanz (Ostrom) herrschte lange und schwach, die Türken zogen auf ihrem Weg nach Mitteleuropa natürlich auch hier entlang, immer wieder gehörte Dalmatien zur Republik Venedig, ein munteres hin- und her, das Kultur und Küche der Landschaft bis heute prägt.

Nach dem Wiener Kongress 1814/1815 (Ihr erinnert Euch: man feierte Napoleons Untergang und ordnete Europa neu) fiel Dalmatien für die nächsten 100 Jahre an Österreich. Im Juni 1866 erklärte Preußen den Österreichern den Krieg und schlug deren Armee bei Königgrätz vernichtend. Preußens Verbündeter Italien wollte sich ein Stück aus dem österreichischen Kuchen schneiden und marschierte in die Lombardei ein. Obwohl zahlenmäßig überlegen wurden sie besiegt und zum Rückzug gezungen. Da es bereits Gerüchte von Friedensverhandlungen gab wollte sich Italien eine gute Verhandlungsposition sichern und zu diesem Zweck die österreichischen Gebiete an der Adria einnehmen. So kam es zu dem Plan, die Insel Lissa, die heute Vis heisst und gerade voraus liegt, zu erobern. Zwei Tage lang schoss man von See aus die Befestigungen der Insel sturmreif, am 20. Juli wollte man gerade landen...

Nunja, die Österreicher sind eine bekannte Seefahrernation und man legt sich nicht ungestraft mit der Kriegsmarine an; Admiral Wilhelm von Tegethoffs Panzerschiff rammte genau hier das italienische Flaggschiff Re d'Italia, das binnen 3 Minuten versank und 381 Marineros mit in die Tiefe riss. In zahlenmäßiger Überlegenheit, aber demoralisiert und ohne Kohle und Munition verließen die Italiener bei Sonnenuntergang das Schlachtfeld und zogen sich nach Ancona zurück; Tegethoff avancierte zum Seehelden.

Die Schlacht bei Lissa fand also genau hier statt, geschichtsträchtiger Boden also. Die Seekarte zeigt eine Tiefe von um die 100m.

Übrigens: 7 Personen je Weg 105 Kuna fürs Wassertaxi, 260 € Liegegebühr mit Müllentsorgung. Im Hafen an der Mole vermutlich teurer. Fleisch, Fisch und Scampis, zusammen 260 Kuna pro Nase.
Wenig später liegen wir vor Komiza auf Vis an der Boje, die Mädels gehen mit Lutz an Land, suchen einen Supermarkt und duschen im Hafengebäude (lohnt nicht), Alfred und ich stürzen uns in die Fluten, ich weihe meine neue Badehose ein, sie macht eine gute Figur (Bild demnächst ;-) Kurz nach 18h versteckt sich die Sonne hinter den Felsen, 18:45h ist Sunset. Gleich gibts lecker essen in der Konoba Baba, ich freu mich drauf.

faul...

Wie im letzten Jahr holen wir um 7h die Boje, dann treibt uns guter Wind nur unter Genua mit 5kn aus der Bucht (g**l !!), Bisevo liegt im Morgenrot, die lange Welle von achtern, alsbald sieht Sandra wieder grün im Gesicht aus, Bommel steuert ein paar Minuten, 5sm sind es hinüber, dann halte ich das Boot im Wind während Fanny, Alfred und Sandra das kibbelige Dinghy entern, beim lokalen Touristenbehören-Zerberus je Nase 40 Kuna lassen und dann in die Blaue Grotte dürfen. Kaum sind wir vor Ort kommen auch schon andere Segler, gut daß wir um 7h abgelegt haben. Bommel schiesst erst Fotos und dann den mühsam bei Wellengang komponierten Kaffee quer durchs Cockpit. Nunja, wir haben ja sonst nix zu tun...

Die drei kommen recht nass wegen der Dünung, aber glücklich aus der Grotte zurück. Diesmal runden wir die Insel im Süden, Sandra steuert, nach dem Felsenkap setzen wir die Segel und machen ein paar Meilen ins tiefblaue Meer hinaus bevor Alfred wendet und wieder auf Bisevo zusteuert. Wir bergen die Segel und dampfen in die Porat-Bucht. Bekki legt perfekt an die Boje an, die Kommunikation zwischen vorn und achtern klappt gut, langsam spielen wir uns aufeinander ein, das ist gut so. Leider ist der Koch vom vergangenen Jahr schon "im Winter", deswegen bitte ich den lokalen Fischer, seinen Fang später bei uns abzugeben. So sparen wir Liegegebühren, Taxikosten und Restaurant. Lutz hat auf Komiza eine Angelausrüstung erstanden, ich fürchte aber, daß wir hungers sterben werden wenn wir uns von seinem Fang abhängig machen wollen. Es ist schön hier, wir liegen sicher an der Boje, faul in der Sonne und plantschen im glasklaren Wasser, schöööön... Von mir aus können wir hier bis morgen bleiben (Fanny schlägt vor, eine halbe Stunde eher aufzubrechen wegen Sonnenaufgang um 6:50...)

Für den Rest des Tages liegen wir also in der Sonne herum, Fanny und Bommel halten es nicht mehr aus und begeben sich auf insulare Entdeckungstour, kommen 2h später ganz erfüllt mit Eindrücken wieder zurück. Wir liegen gut an der innersten Boje, auch die andren sind besetzt, wir beobachten die Neuankömmlinge, die versuchen, mit slippendem Anker ihre Boote vor den Felsen zu retten. Ach ist das schön, mal nicht Veranstalter der Hafenshow zu sein...

Der Fischer kommt leider nicht in die Bucht zurück, schade eigentlich. Bekki zaubert also Spaghetti mit Thunfisch-Tomatensausse, dazu Tomatensalat. Die Sonne versinkt megakitschig im Meer, anders als bei SW-Wind schläft der NE-Wind nicht ein, sondern bläst so mit gefühlten 4Bft. immer weiter, der helle Vollmond geht auf und als Bekki sich um 20:33h ins Bett verabschieden will herrscht allgemeiner Aufbruch: Gut daß sich jemand getraut hat, als erster zu gehen. Ich kontrolliere noch einmal die Boje und wenig später sind wir 'aus'...

haben wir eigentlich

Mittwoch, Dienstag oder Donnerstag??

Urlaub. So solls sein. Bekki und ich sind bei Sonnenaufgang auf, ich löse die Vorleine, leider treiben wir auf unseren Nachbarn zu, so daß ich doch noch mit dem Motor kurz nachhelfen muß. Dann gehts auf die blaue Adria raus, Bekki gehts zwischendurch auch nicht so gut, mit 350 Grad steuert uns die Automatik zur Küste zurück, wenn alles klappt kommen wir knapp oberhalb von Rogosnica raus, wo es eine komfortable Marina, Frischwasser, gutes Essen und vor allem die Champions League gibt. Mal haben wir zuviel Tuch, mal zuwenig, da wird also dran gespielt, unsere dicke Ferienwohnung segelt mit 4 bis 5 Knoten dahin. Man kann nur eins haben: Entweder komfortabel und breit oder rank und schnell. Am Himmel vermehren sich die Zirren, am Horizont sieht man Wolkenschichten, sieht alles nicht bedrohlich aus, man könnte es langweilig nennen...

Der Wind schläft ein, die letzten 8sm tuckern wir also und legen römisch-katholisch in Rogoznica an. Wieder gehen die Mädels shoppen und wir füllen Wasser auf, sitzen in der Sonne und führen Männergespräche. Morgen früh solls frischen Fisch aufm Markt geben, heute abend hab ich n Tisch im Hafenrestaurant (mit TV!) reserviert. Es ist rundum gemütlich, so solls sein, oder? Wir sind voll im Urlaubsmodus und ich muß immer rechnen, in wievielen Tagen ich die Crew in Trogir abliefern muß. Könnte durchaus sein, daß wir den Abflugtag verpassen... ;-)

Merken zu Rogoznica: Fleischplatte mit 3 Personen essen = große Portion. Im Waschgebouw auf dem Steg hypermoderne Duschen, vorwiegend kalt. Im Tordurchgang einfache Duschen, ebenso an der Landseite, dafür warmes Wasser. Bis 8h kleiner Markt direkt gegenüber mit frischem Gemüse und Fisch vom Nachtfang. Liegeplatz kostet 520 Kuna (wenn man Komiza an der Boje gegenrechnet: 260 Kuna, dazu zweimal 105 für Taxitransfer, bescheidenes Waschhaus, Schwell, dann ist diese Marina ihren Preis definitiv wert).

gaaaanz langsam...

Frühmorgens (7:36) trommle ich Bekki aus der Koje: Fisch gibts nur bis etwa 8:30h aufm Markt. Fanny, Bekki und ich machen uns auf die Söckchen und Bekki kauft Markt und Bäckerei leer. Die Jungs lassen währenddessen Wasser übers Boot perlen. Als wir schwerbeladen zurück kommen macht Fanny wie jeden Tag sein famoses Rührei, hmmm....

Man muß bis 14 Uhr aus der Marina sein, sonst wird man automatisch für die nächste Nacht gebucht. Nunja, wir schaffen das. So gerade. Der ganze Steg ist mittlerweile leer, nur wir sind noch da. Es dürfte schwierig werden, beim Ablegen irgendwo anzudotzen - wir schaffen das...

Dann dampft Lutz aus der Bucht, wir setzen Segel und Sandra greift zum Ruderrad. Alfred verschanzt sich achtern mit den Fischleichen und nimmt sie liebevoll aus. In der Ferne sehen wir einen einsamen Tümmler springen, dann schläft der Wind vollends ein und Bekki motort uns gen Drvenik. Ich stelle eine Musikliste zusammen und drehe die Lautsprecher auf full-power: I can see clearly now, eye of the tiger, Allan Parsons Project Lucifer, Eric Clapton, BackStreetBoys, natürlich Sailing von Rod Steward - und wehe es zeigt jemand das dabei entstandene Video des Skippers zu einem speziellen Joe Cocker-Hit...

Bekki läßt in der Mali Luka-Bucht den Anker auf 16m Wassertiefe fallen und wir gehen schwimmen. Ich maile mit Alexa, sie liegt drüben auf Solta in unserer drei-Anker-Bucht (Sesula). Über Neapel zieht ein Gewitter auf, ich frage Radio Split auf Kanal 81 nach Warnungen, dort liegt aber nix vor; auch gut. Unsere Bordkasse muß nur noch Treibstoff und Kautionsversicherung tragen, dreimal haben wir geankert, es sind noch 1200 Kuna drin, perfekt! Gerade brutzelt Bekki den Fisch: hmmmm...

Boah, wir kriegen eine Protein-Vergiftung: 8 Fische, sieben kriegen wir mit Mühe und Not verdrückt, den achten entsorgt Alfred so nebenbei. Dann macht Bekki nochmal bekleckerte Banane mit karamelisierten Apfelspalten, ich dürfte mittlerweile einiges intus haben, schweigen wir doch einfach darüber. Reden wir doch lieber über die laue Sommernacht, diese wunderbare Bucht, den Sternenhimmel und die vielen Wohlfühlpunkte, die wir diese Woche gesammelt haben. Schon wird über ein Nachtreffen spekuliert und der Törn im Septembär 2016 geplant - wir sind zu einem prima Team zusammen gewachsen.

Der Wind soll morgen durchaus deutlich sein, heute abend ist er jedenfalls erschlafft, wir sitzen im Cockpit und genießen die Nacht, niemand will ins Bett obwohl wir totmüde sind, Eric Clapton singt leise unplugged im Hintergrund, später Westlife: allow us to be Frank. Ich guck noch schnell nach den Gewittern, die freundlicherweise in Italien bleiben und verabschiede mich mit besten Empfehlungen in die Heia (01:44h) - gute Nacht allerseits! Was für ein wunderbarer Tag, der sechste in Folge. Neben mir schnarchen die beiden Sandras vergnügt vor sich hin während ich dies hier schreibe, schlaft gut, träumt süß - gute Nacht John-Boy...

Chronik der Woche

Nochmal ein Sonnentag, ich krabbele um 7h aus den Federn und bette mich ins Cockpit um, wir haben einen g**len Blick aus unserer Bucht hinüber nach Drvenik-Mali, Bommel kommt hoch und wir starren gemeinsam in die Szenerie. Mensch, ist das schön. Jetzt bloß kein Wort, einfach nur gucken...

Es muß heute morgen recht früh gewesen sein, zumindest kommen wir echt nicht in die Gänge. Das Cockpit ist drei-Tüten-voll mit leeren Bierdosen übersäht. Das Frühstück degeneriert zum Mittagessen, wir futtern die Historie der Woche, d.h. Reste, Reste, Reste. Fanny packt einfach alles verfügbare ins Rührei. Fleischwurst, Käse, Erdbeermarmelade und Butter sind gut gegangen, das gilt auch für Salzgebäck, Rose und Rotwein, Bier sowieso, Wasser ohne Blubb mußten wir nachkaufen. Meine Versuche, die Crew zum Ablegen und Segeln zu motivieren (frische Brötchen in Maslinica oder Alexa in der Nachbarbucht) scheitern kläglich an der sog. kleine-Augen-Krankheit, die offenbar einige Crewmitglieder befallen hat. Bitte diese Bucht keine Minute früher als notwendig verlassen; Bekki, Bommel und Alfred sind nochmal ins Wasser gehopst, Sandra und ich waren heute morgen schon, Lutz beguckt sich von innen.

Doch irgendwann müssen wir los, werfen noch kurz einen Blick nach Drvenik rein, setzen ein letztes mal die Segel, doch irgendwann ist uns der Wind zu flau und wir starten deshalb die letzten Meilen den Motor. An der Trogir-Ecke muß Lutz nocheinmal unter Krach leiden, denn hier wird traditionell Music von John Miles als Einlaufsong gespielt, so laut daß man es bis zum Ufer hören kann. Wir grüßen beim Vorbeilaufen zur Baotic-Marina rüber, wo Alexa sicherlich gespannt auf eine vorbeilaufende Norderney-Flagge wartet. Vor der Tankstelle staut es sich wie gewöhnlich, wir aber drängeln uns durch das Gewühl bis nach ganz vorne, dann übernimmt Ivica, der Basemanager, das Boot und zieht seine Show ab: keine 60 Sekunden liegen wir an der Tankstelle fest, nur an der Achterleine aufgehängt (16 Motorstunden kosteten uns 210 Kuna), dann parkt er unseren Kahn neben dem übervorsichtigen Motorbootbesitzer ein, da steht Lutz immer noch der Mund offen.

Nach dem traditionellen Anlegebier machen wir uns landfein und kehren wieder ins Restaurant Toma ein, wo wir vergangene Woche schon gut gegessen haben. Freitags sollte man dort reservieren, wir müssen auf einen Tisch warten und strolchen solange durch die Altstadt. Dann gibts ein letztes mal Fleischplatte (eine für 3 Personen), die recht geschonte Bordkasse übernimmt die Getränke, dann lade ich die Crew nochmal auf eine Kugel sehr leckeres Eis ein. Ich maile unserem Taxifahrer die diversen Fahrwünsche, er reagiert sofort und bekommt so drei Fahrten. Nach einem letzten Espresso an Bord fallen wir in Tiefschlaf - das war nochmal ein wunderbarer Tag und alle, die morgen heim fliegen müssen, sind traurig (wär ja auch schade wenn es nicht so wäre). Offenbar war die Woche so schön daß es bereits Pläne für ein Nachtreffen und einen weiteren Törn im September 2016 gibt. Na, das klingt doch gut, oder??

der Himmel weint

Es ist keine gute Idee, Freitags abends oder Samstags früh duschen zu wollen: als ich mich um 7h aus den Decken schäle wähne ich mich im Waschhaus alleine - weit gefehlt! Und da es sich hier knubbelt ist das Wasser kalt, na toll. Und der Rasierer ist stumpf. Die Waschmaschine kostet 10 € für 32min! Und die aufgehängte Wäsche tropft im Regen. Das Boot sieht aus wie nach einer Woche Törn.

Unsere Mädels sind dagegen der Lichtblick des Tages: Bekki hat frische Croissants besorgt, Bommel und Sandra putzen unten, ich hole von der Basis einen Schrubber und versuche, das Boot in einen halbwegs akzeptablen Zustand zu versetzen.

Miro ist pünktlich an der Haltestelle vor der Villa Moretti (Lucica 1) gleich gegenüber vom Boot und so gibt es einen tränenreichen Abschied zunächst von Alfred und Fanny. Gegen 13h läd er dann die Aachener ein. Da es immer mal wieder schauert und sie erst um 20h fliegt schnappt sich Sandra den E-Book-Reader und relaxt exzessiv im Cockpit. Wie im vergangenen Jahr macht Trogir nach einer superschönen Woche den Abschied leicht: es ist grauingrau - und gerade wird meine Wäsche mal wieder durchfeuchtet...


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